Früheres Ausstallen lohnt sich

Henk Manting

Verkaufsleiter für die Fleischgeflügel Region Deutschland

08 Juni 2026
-
3 min

Gewicht und Qualität in der Broilerkette gezielt steuern

In der Broilerkette baut jedes Glied auf der Arbeit des vorherigen auf. Von der Brüterei und dem Geflügelhalter über den Schlachthof bis hin zum Verbraucher: Was ein Glied der Kette tut, bestimmt, wie das nächste Glied weiterarbeiten kann. Dies erfordert eine gute Abstimmung entlang der gesamten Kette. Laut Ad Rombouts (Leiter Broilerplanung) und Henk Manting (Verkaufsleiter Broiler in Deutschland) spielt dabei das Geschehen im Stall eine wichtige Rolle. Letztlich geht es darum, dass die Broiler zum richtigen Zeitpunkt das richtige Gewicht erreichen und die gewünschte Qualität aufweisen.

Auf die Marktanforderungen abstimmen

Die Anforderungen des Marktes werden immer spezifischer. Je nach Endprodukt gelten klare Vorgaben für das gewünschte Gewicht. So liegt das angestrebte Lebendgewicht bei der Teilausstallung zwischen 1,8 und 2,0 kg, während es bei der Endausstallung in der Regel zwischen 2,7 und 2,9 kg liegt. Da Broiler immer effizienter wachsen, erreichen sie ihr Endgewicht schneller. Das bietet Chancen, erfordert aber auch eine präzisere Abstimmung von Planung und Management. Für den Broilerhalter besteht die Herausforderung darin, dieses Wachstum optimal zu nutzen und gleichzeitig die Anforderungen sowie die Vereinbarungen mit dem Schlachthof zu erfüllen. Dies erfordert ein gutes Timing während des Durchgangs.

Mit dem Zeitpunkt der Vorausstallung gezielt steuern

Eine praktische Möglichkeit, darauf zu reagieren, ist die Wahl des richtigen Zeitpunkts für die Vorausstallung. Dennoch stößt eine frühere Vorausstallung bei vielen Geflügelhaltern noch auf Vorbehalte. Das ist nachvollziehbar, denn der erste Gedanke lautet häufig: weniger Gewicht bedeutet weniger Erlös. In der Praxis kommt es jedoch auf das Gesamtergebnis des Durchgangs an. Wird ein Teil des Bestandes einige Tage früher ausgestallt, entsteht unmittelbar mehr Platz im Stall. Dieser zusätzliche Platz gibt den verbleibenden Broilern die Möglichkeit, sich in der letzten Phase besser zu entwickeln und ihr Wachstumspotenzial optimal auszuschöpfen. „In der Praxis sehen wir, dass es nicht auf die paar Gramm weniger bei der Vorausstallung ankommt, sondern darauf, welche zusätzliche Leistung der verbleibende Bestand anschließend noch erbringen kann“, so Henk Manting. Gerade dieses zusätzliche Wachstum und die höhere Effizienz der verbleibenden Tiere machen den Unterschied. Was auf den ersten Blick wie ein Verlust erscheint, erweist sich in der Praxis häufig als Gewinn.

Ausstallen nach Routine oder nach Ergebnis?

Viele Betriebe stallen seit Jahren an festen Tagen aus, weil dies so in ihrer Planung vorgesehen ist oder weil es schon immer so gehandhabt wurde. Bei den heutigen Wachstumsraten der Broiler passt dieser Zeitpunkt jedoch nicht immer zum gewünschten Gewicht. Broiler, die zu Beginn der Woche eingestallt werden, werden häufig ebenfalls zu Beginn der Woche vor- beziehungsweise endausgestallt. Idealerweise wird der Zeitpunkt der Ausstallung um einige Tage vorgezogen, um die Anforderungen des Schlachthofs besser zu erfüllen.

Der Vorteil von mehr Platz

Mehr Platz im Stall bietet mehrere Vorteile. Die Tiere haben leichteren Zugang zu Futter und Wasser, bewegen sich aktiver und können ihr Wachstumspotenzial besser ausschöpfen. Gleichzeitig trägt eine geringere Besatzdichte zu einem stabilen Stallklima bei, das die Grundlage für eine gleichbleibende Produktionsqualität bildet.

Qualität beginnt im Stall

Neben dem Erreichen des richtigen Gewichts bleibt die Qualität ein entscheidender Faktor. Die Qualität, mit der die Broiler an den Schlachthof geliefert werden, bestimmt in hohem Maße, wie die nächste Stufe der Kette mit den Tieren weiterarbeiten kann.

Faktoren wie Lüftung, Einstreuqualität sowie Wasser- und Fütterungsmanagement spielen dabei eine wichtige Rolle. Eine optimal eingestellte Lüftung sorgt dafür, dass Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Gleichgewicht bleiben, und trägt damit zu einem optimalen Stallklima für die Tiere bei. In Kombination mit einer trockenen und lockeren Einstreu hilft dies, die Qualität der Broiler bis zum Ende des Durchgangs bestmöglich zu erhalten.

Auch das Tränkesystem erfordert Aufmerksamkeit: Korrekt eingestellte Tränkelinien ohne Leckagen helfen, die Einstreu trocken zu halten, und unterstützen eine gleichmäßige Wasser- und Futteraufnahme.

Darüber hinaus spielt die Fütterung eine wichtige Rolle. Der gezielte Einsatz des Futtersortiments und sorgfältig gestaltete Futterübergänge tragen zu einem stabilen Wachstum und einer guten Qualität bei der Ausstallung bei.

Broiler nüchtern anliefern

Auch die Vorbereitung auf die Ausstallung verdient besondere Aufmerksamkeit. Das korrekte Nüchternstellen der Broiler ist dabei ein wichtiger Bestandteil. Häufig wird empfohlen, den Weizenanteil 24 Stunden vor der Ausstallung um etwa 50 % zu reduzieren und ab 12 Stunden vor der Ausstallung keinen losen Weizen mehr zuzufüttern. Auf diese Weise erfolgt das Nüchternstellen schrittweise und kontrolliert.

In der letzten Phase ist es anschließend wichtig, die Fütterung rechtzeitig einzustellen und die Futterschalen hochzuziehen. Als Grundregel gilt: Sechs bis acht Stunden vor der Ausstallung kein Futter mehr anbieten, damit sich der Verdauungstrakt ausreichend entleeren kann und die Schlachtung sorgfältig und hygienisch erfolgen kann.

Gemeinsam die Broilerkette weiterentwickeln

Die Broilerbranche entwickelt sich zunehmend in Richtung einer nachfrageorientierten Produktion. Das bedeutet, dass die verschiedenen Stufen der Kette noch enger aufeinander abgestimmt werden müssen. Für den Geflügelhalter erfordert dies mitunter eine andere Art der Planung, bietet aber gleichzeitig Chancen, gezielter auf die Nachfrage zu reagieren, und ist letztlich der einzige Weg, den Fleischpreis zu optimieren.

Indem wir gemeinsam auf den richtigen Zeitpunkt der Vorausstallung und eine hohe Qualität hinarbeiten, können wir als gesamte Kette das Maximum aus jedem Durchgang herausholen und ein ausgewogenes Endergebnis erzielen.

Über den Autor

Henk Manting

Verkaufsleiter für die Fleischgeflügel Region Deutschland